„Oh man, bin ich fett.“ lautet die Dateibezeichnung eines Selfies meines 13-jährigen Ichs. Der Ordner enthält noch viele andere Bilder, die ich für meinen damaligen SchülerVZ Account[1] gemacht habe. Erstgenanntes Bild habe ich natürlich nicht veröffentlicht; stattdessen wurden Bilder mit Titeln wie zum Beispiel „mah b0dy <3“ hochgeladen. Heute gibt es SchülerVZ nicht mehr, stattdessen habe ich einen Account bei Instagram. Es gibt jedoch ein paar entscheidende Unterschiede:

  • meine Absicht ist es Aufmerksamkeit auf Themen, die mir wichtig sind, zu lenken. Gleichzeitig werde ich als Yogalehrerin bekannter und komme meiner Unternehmensvision näher. Damals brauchte ich die Aufmerksamkeit für mein Ego.
  • die Bilder, die ich hochlade, sind keine Selfies, sondern (semi-)pro­fessio­nelle Fotos aus sog. tfp-Shootings[2]. Dafür muss ich keine Standard­modelmaße haben und darf mich mit meinen eigenen Ideen kreativ einbringen. In den Bildern kann Themen sichtbar machen und Botschaften senden.

Meine Botschaft an alle jungen Mädels ist es, dass ihre neuen weiblichen Rundungen wunderschön sind. Für mich damals wäre es auf jeden Fall gut gewesen, ich wäre irgendwie bereits damals schon darauf gekommen, dass ich nicht fett bin.

Ich hatte mich wie viele Teenager stark über das Außen definiert und meinen Körper mit denen der anderen Mädchen verglichen. Dabei ist mir mein gesunder Appetit verloren gegangen, weil ich umgeben vom Ideal „Size Zero“ und fehlender Auf­klärung über die Veränderungen des weiblichen Körpers in der Pubertät war.

Ich war von meiner Gewichtszunahme verunsichert. Und sauer. Warum bleiben manche Mädchen so dünn und ich bekomme „dicke“ Oberschenkel? Keiner hat mir erklärt, dass es völlig normal ist, dass die Entwicklung unterschiedlich schnell ist und es verschiedene Körpertypen, von denen jeder schön ist gibt.

Deshalb habe ich begonnen, so wenig wie möglich zu essen und ganz viel Sport zu machen, um von meinem natürlichen Gewicht[3] herunterkommen. Wenn ich dann wieder normal gegessen oder Fress­attacken bekommen habe, habe ich mich geschämt und war umso unglücklicher.

Irgendwann ist mir bewusstgeworden, wie viel Energie ich so verschwendet habe und ich entschied mich, so nicht mehr weitermachen zu wollen. Ich wollte eine gesunde Beziehung zu meinem Körper.

Dafür habe ich mir Meilensteine gesetzt, die für mich und mein Körper­gefühl wichtig waren und immer noch sind:

  • Ich mache regelmäßig Sport.
  • Ich ernähre mich überwiegend gesund.
  • Ich kann mich gelassen wiegen.
  • Ich gehe entspannt mit meinem Körpergewicht um.
  • Ich habe ein gutes Gefühl, auch wenn ich mal ein paar Kilos zugenommen habe.

Damals war Sport für mich oft nur Mittel zum Zweck – um abzunehmen oder dünn zu bleiben. Essen war anstrengend und mit viel Überlegen verbunden, ob ich das auch wirklich darf. Heute genieße ich Bewegung, habe Freude daran und finde eine gute Balance zwischen Entspan­nung und Sport. Yoga hat mir dabei wahnsinnig geholfen. Und gesunde Ernährung mit ein paar Süßigkeiten hin und wieder ist für mich jetzt ganz normal.

Mit meinem Artikel will ich zum Nachdenken und zum Gespräch über das Thema Körperliebe anregen. Ich habe von meinen eigenen Erfahrungen berichtet und möchte betonen, dass ich als Yogalehrerin Prozesse unter­stützen und begleiten kann. Dabei kann ich weder die Rolle der Ärztin, Therapeutin noch Ernährungsberaterin ausfüllen.

[1] Mein Name: „Lil*princess“ – kleine Prinzessin; ich persönlich finde es schön, dass es immer mehr Mädchen gibt, die eine ganz andere Wahrnehmung von sich selbst haben, z.B. Klimaaktivistin

[2] tfp steht für time for prints und bedeutet, dass weder Fotograf noch Model für das Shooting bezahlen. Model und Fotograf dürfen die entstandenen Bilder im vereinbarten Rahmen z.B. auf ihrer Website nutzen

[3] damals ca. 55 kg bei 168cm